Etappe 12: Feuchtwangen → Wörnitz

Der Dorfplatz von Wörnitz

Datum: 29. Mai 2012
Strecke: 15 km geplant, 22,3 gelaufen
über Archshofen^und Dombühl
Im Buch: Kapitel 6, Seite 39


Katja, meine Gastgeberin in Feuchtwangen, hatte mir ein Quartier bei ihren Eltern in Oberwörnitz bei Schillingsfürst vermittelt und beschlossen, mich dorthin zu begleiten. Somit hatte ich meine erste Gesamtetappe mit Begleitung und der Tag war geprägt von Gesprächen über meine Reise und auch sehr persönliche Themen. Da hat sich wieder gezeigt, dass (Welt-)Reisende oft sehr offene Menschen sind.

An der Route

Archshofen – Dorf im Wörnitztal

Archshofen ist ein kleiner Ortsteil von Colmberg und liegt im oberen Tal der Wörnitz. Die Landschaft hier gehört zum Übergang zwischen dem Fränkischen Keuper-Hügelland und den sanfteren Tälern Richtung Tauber und Altmühl.
Die Gegend ist seit dem frühen Mittelalter besiedelt. Viele Orte der Umgebung entstanden bereits im 8. oder 9. Jahrhundert, als fränkische Siedler das Land erschlossen. Die Endung „-hofen“ weist oft auf solche frühen Höfe oder kleine Siedlungen hin.
Heute wirkt Archshofen ruhig und landwirtschaftlich geprägt – typisch für die Dörfer entlang der Wörnitz.
Bahnhof Dombühl – kleiner Ort, aber wichtiger Eisenbahnknoten zwischen Nürnberg, Crailsheim und der früheren Strecke nach Nördlingen.

Dombühl – Verkehrsknoten im ländlichen Raum

Dombühl ist ein kleiner Ort, der trotz seiner Größe eine überraschend wichtige Rolle im regionalen Verkehr spielt.
Schon im 19. Jahrhundert wurde hier ein Eisenbahnknoten gebaut. Von Dombühl zweigten mehrere Strecken ab:
• Richtung Nürnberg
• Richtung Crailsheim / Stuttgart
• Richtung Nördlingen über Dinkelsbühl
Die Strecke nach Nördlingen wurde 1985 für den Personenverkehr eingestellt. Heute erinnert vor allem die Museumsbahn der „Romantischen Schiene“ daran, die an bestimmten Tagen mit historischen Zügen unterwegs ist.

Ein Magirus-Deutz Omnibus O3500H

Und wieder Oldtimer…

In der Region findet regelmäßig eines der größten Nutzfahrzeug-Oldtimertreffen Süddeutschlands statt. Beim Treffen 2009 kamen rund 300 historische Lastwagen, Busse und Arbeitsfahrzeuge zusammen.
Zu sehen sind dort zum Beispiel:
• alte Magirus-Deutz-Feuerwehrfahrzeuge
• historische Büssing- und MAN-Lastwagen
• frühe Unimogs
• restaurierte Traktoren und Baustellenfahrzeuge.
Solche Treffen zeigen eine Seite der Technikgeschichte, die man im Alltag kaum noch wahrnimmt: die schweren Nutzfahrzeuge, mit denen Wirtschaft und Infrastruktur jahrzehntelang aufgebaut wurden.

Zwischenstopp bei den Zwölf Stämmen

Am Ortseingang von Wörnitz befand sich lange Zeit eine Niederlassung der Gemeinschaft „Zwölf Stämme“.
Die Bewegung entstand in den 1970er Jahren in den USA. Ihr Ziel war es, das Leben der ersten christlichen Gemeinden möglichst konsequent nachzuahmen – mit gemeinschaftlichem Besitz, gemeinsamer Arbeit und einem stark religiös geprägten Alltag.
Die Mitglieder leben meist in Kommunitäten, arbeiten gemeinsam in kleinen Betrieben und versuchen, ihren Alltag streng an biblischen Vorstellungen auszurichten.
In Deutschland geriet die Gemeinschaft immer wieder in Konflikt mit Behörden. Der wichtigste Streitpunkt war die Erziehung der Kinder.
Die Gruppe berief sich auf Bibelstellen, die körperliche Züchtigung erlauben. Nachdem entsprechende Vorwürfe öffentlich wurden, entzog der Staat zeitweise die Genehmigung für ihre Schule und mehrere Kinder wurden in staatliche Obhut genommen.
Die Ereignisse führten zu einem langjährigen Konflikt zwischen der Gemeinschaft und den Behörden.
2015 verließ die Gemeinschaft schließlich den Standort Wörnitz und zog nach Tschechien um. Ihr Haus wurde von der Gemeinde Wörnitz übernommen und dient heute als Bürgerhaus und Treffpunkt für Vereine und Veranstaltungen. Aus einem abgeschlossenen religiösen Lebensraum wurde damit wieder ein Ort des öffentlichen Dorflebens.