Etappe 23: Wiesbaden → Heidenrod-Laufenselden

Datum: Mittwoch, 13. Juni 2012
Route: Wiesbaden → Heidenrod-Laufenselden
Strecke: 22 km, davon 3 gelaufen
Im Buch: Kapitel 9, Seite 60


Nach den anstrengenden letzten Kilometern in Wiesbaden stand zunächst die praktische Frage im Vordergrund: ein Ersatz für den beschädigten Langstock. Im Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte erhielt ich kurzfristig Unterstützung und einen Ersatzstock – eine wichtige Voraussetzung, um die Wanderung fortsetzen zu können.
Da meine Gastgeberin erst am Abend Zeit hatte und ich meinen Fuß noch schonen wollte, verbrachte ich den Tag in Wiesbaden und fuhr später mit dem Bus in den Taunus nach Heidenrod.

An der Route

Unterwegs – Hilfe zur richtigen Zeit

Auch an diesem Tag zeigte sich, wie oft ich auf Unterstützung angewiesen war – und wie zuverlässig sie sich einstellte. Immer wieder ergaben sich Situationen, in denen Orientierung schwierig war oder Hindernisse den Weg blockierten.
Mehrfach bat ich innerlich um Hilfe – und kurz darauf sprach mich jemand an, bot Unterstützung an oder begleitete mich ein Stück des Weges. So entstand eine Kette von kleinen Begegnungen, die den Weg nicht nur möglich machten, sondern auch eine eigene Qualität hatten: getragen von Aufmerksamkeit und gegenseitiger Bereitschaft zu helfen.

Das Wohnhaus auf den Grundmauern der Synagoge von Laufenselden

Laufenselden – Leben in einer ehemaligen Synagoge

Meine Gastgeberin in Heidenrod-Laufenselden bewohnte ein besonderes Haus: ein Gebäude, das auf den Grundmauern einer ehemaligen Synagoge steht.
Die ursprüngliche Synagoge wurde Anfang der 1860er Jahre errichtet und diente der jüdischen Gemeinde des Ortes als religiöses Zentrum. Beim Novemberpogrom 1938 wurde sie zerstört und brannte vollständig aus. Nach dem Krieg blieb die Ruine zunächst bestehen, bevor das Gelände in den 1950er Jahren in Privatbesitz überging und schließlich neu bebaut wurde.
Heute erinnert nur noch wenig sichtbar an die ursprüngliche Funktion – doch in den massiven Feldsteinmauern und der Geschichte des Ortes bleibt sie präsent. Der Alltag in einem solchen Gebäude verbindet Gegenwart und Vergangenheit auf eine stille, aber spürbare Weise.

Routenplanung – eigene Wege finden

Für die nächste Etappe zeigte sich erneut, dass die vorgeschlagenen Routen nicht immer geeignet waren. Die automatische Navigation führte häufig über stark befahrene Bundesstraßen, die für Fußgänger ungeeignet sind.
Daher begann ich, gezielt nach Alternativen zu suchen. Ein Wanderroutenplaner für den Taunus und den Rheingau bot schließlich eine Grundlage, um geeignete Wege abseits der Hauptverkehrsachsen zu finden. Das Wegenetz erwies sich als weit verzweigt, aber nicht immer eindeutig nachvollziehbar – eine Planung, die weiterhin Aufmerksamkeit und Improvisation erforderte.


Links des Tages:

Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte, Würzburg
Die Synagoge in Laufenselden, Gemeinde Heidenrod
Routenplaner für das Wanderwegenetz im Taunus und im Rheingau
Gemeinde Heidenrod, Rheingau-Taunus-Kreis
Heidenrod – Wikipedia