
Datum: Samstag, 19. Mai 2012
Strecke: 26,7 km, davon 20,7 gelaufen
über Gröbenzell, Olching und Maisach.
Im Buch findest Du die Etappe in Kapitel 5 auf Seite 29.

Westlich von München verändert sich die Landschaft spürbar: Das Dachauer Moos, einst weite Moor- und Wiesenflächen, wurde erst mit dem Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert stärker besiedelt. Heute sind Gröbenzell, Olching und Maisach typische S-Bahn-Gemeinden – Wohnorte zwischen Stadt und Land.
So wie Vaterstätten im Osten, markiert auch Gröbenzell den Übergang von der Großstadt zum ländlichen Raum. Auch Gröbenzell zeichnet der Gartenstadt-Charakter aus. Und auch Gröbenzell hat das Prädikat „Fahrradfreundliche Kommune“.

Fahrradservicestationen und Gepäckfächer am Bahnhof: „Ein platter Reifen oder eine herausgesprungene Kette ist keine ‚Ausrede‘ mehr, um den Drahtesel stehen zu lassen“ freut sich Bürgermeister Martin Schäfer.

Die Mitfahrbank: Daumen hoch! Wer hier sitzt, der signalisiert: „Ich möchte mitgenommen werden“. Das Prinzip ist einfach: Schild umklappen, setzen, warten, mitfahren. Bürgerinnen und Bürger stellen das Richtungsschild nach München ein (wahlweise S-Bahnhof Lochhausen, S-Bahnhof Pasing oder S-Bahnhof Moosach) und dann heißt es warten, bei der nächsten Gelegenheit einsteigen und mitfahren. Die Bank steht gut sichtbar und deutlich beschildert an der Staatsstraße in Fahrtrichtung München auf Höhe des Drogeriemarkes.
Die Mitfahrbank besteht aus einer Bank, einem Radparkplatz mit Ansperrmöglichkeit sowie einem Mast mit Wegweisern. Autofahrende mit passendem Ziel und freien Sitzplätzen können die potentiellen Mitfahrerinnen und Mitfahrer ganz unkompliziert mitnehmen. „Mitnehmen und mitgenommen werden, kostet kaum Zeit und kein Geld“, sagte der Erste Bürgermeister Martin Schäfer bei der Einweihung. „Es fördert die Kommunikation und schont die Umwelt. Die Mitfahrbank ist zudem ein beliebter Treffpunkt für Fahrgemeinschaften. Mitmachen kann jeder!“

Im ganzen Gemeindegebiet sind über 20 sogenannte Tausch-Bücher-Boxen aufgestellt. In der Tauschbox befindliche Bücher können kostenlos entnommen und gelesen, mit nach Hause genommen oder auch wieder zurückgebracht werden. Gleichzeitig können alle Bürgerinnen und Bürger eigene, bereits gelesene oder noch gut erhaltene Bücher in die Tausch.Bücher.Box stellen, damit der oder die Nächste sie lesen kann.

Der Sonnenacker
Die Solidargemeinschaft Brucker-Land stellt Gartenfreunden gegen eine geringe Pacht fruchtbare Ackerflächen zur Verfügung und berät sie bei Anbau und Pflege von Gemüse, Kräutern und Blumen. Bis Mitte April werden sie von den Landwirten saatfertig vorbereitet und dann kann gesät und gejätet werden. Mineralischer Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel freilich sind tabu. Bis Mitte Oktober muss alles abgeerntet sein.
Sonnenäcker bereichern nicht nur den Speiseplan, sie bieten auch einen wunderbaren Erfahrungsraum: Säen, wachsen, ernten – das Erleben des Jahreskreises in der Natur ist von großem Wert für die ganze Familie, sensibilisiert für die Zusammenhänge in der Natur, saisonale Kreisläufe und den Wert eines Lebensmittels.
In Olching geriet ich mitten in eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr – Sinnbild für eine Region, in der Ehrenamt und Gemeinschaft noch sichtbar gelebt werden.
Der Amperhof bringt seit den 80er Jahren mit der Ökokiste frisches Obst und Gemüse und andere biologischen Lebensmittel in München und dem westlichen Umland direkt ins Haus. Waren es anfänglich 20 Kisten pro Woche, werden heute 3.500 Haushalte beliefert!
Die Gründerin Giesela Kinzelmann und ihr Mann Helmut waren regelmäßig in unserem Schwitzhüttenkreis und haben auch selber auf ihrem Grundstück Zeremonien durchgeführt. Auf Initiative eines Mitbewohners surde Anfang der 2000er Jahre die „Sonnenstrom am Amperhof GmbH“ als Bürger-Solarkraftwerk ins Leben gerufen, an der ich mich auch beteiligte.
www.amperhof.de
Fünf Jahre lang lebten wir in Maisach. Es war kein Ort großer Projekte oder öffentlicher Initiativen für mich, sondern vor allem ein praktischer Lebensmittelpunkt. Die S-Bahn-Anbindung nach München war für meine Arbeit wichtig, und viele unserer Freunde lebten im Westen der Stadt. Maisach lag genau dazwischen – ländlich genug zum Wohnen, stadtnah genug für das tägliche Pendeln.
Wie viele Gemeinden im Münchner Umland hat sich auch Maisach in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: vom bäuerlich geprägten Dorf zur S-Bahn-Gemeinde im wachsenden Einzugsgebiet der Großstadt. Felder und Wohnsiedlungen liegen nah beieinander, Alltag und Aufbruch ebenso.
Manche Orte sind weniger Bühne als Basis. Maisach war für mich so ein Ort – ein Stück gelebter Alltag zwischen Gemeinschaft, Familie und Arbeit.

Mammendorf ist Sitz der Ökoring-Handels-GmbH, unserem Großhändler für Bio-Lebensmittel für das Biocafé, das wir von 2007 bis 2015 in Oberbrunn betrieben haben. Das Chiemgau gehörte zum Liefergebiet des Ökoring, weil hier einige Erzeuger ansässig waren. So konnten die Erzeugnisse mit dem Lkw nach Mammendorf gebracht und die kommissionierten Lierferungen für Naturkostläden und Gastronomie wieder mitgenommen werden.
Zudem konnten wir unsere Einkäufe beim Ökoring mit der Regionalwährung, dem Chiemgauer bezahlen.
https://www.oekoring.com
Bei der Veranstaltung in Aubing erzählte ich, dass ich meine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse gekündigt hatte.
Ich hatte über Jahre keine Leistungen in Anspruch genommen und sämtliche alternativmedizinischen Behandlungen selbst bezahlt. Gleichzeitig empfand ich die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitssystems und die starren Beitragsregelungen als problematisch.
Für mich war der Austritt kein Protestakt, sondern eine bewusste Entscheidung für Eigenverantwortung.
Ich schloss mich der Artabana-Solidargemeinschaft an – einem freiwilligen Zusammenschluss von Menschen, die sich im Krankheitsfall gegenseitig unterstützen. Keine Versicherungsverträge, sondern persönliche Verantwortung und Vertrauen.
Die rechtliche Auseinandersetzung mit meiner bisherigen Krankenkasse führte bis vor das Sozialgericht. Unabhängig vom Ausgang war mir wichtig, diesen Schritt konsequent zu gehen und eine Form von Gemeinschaft zu leben, die auf freiwilliger Solidarität basiert.
Aus einer freien, persönlichen Entscheidung heraus finden sich mündige Menschen in einer Gemeinschaft zusammen. Diese Wahlgemeinschaft bildet einen sozialen Rahmen, indem gemeinschaftliches Handeln aus einem individuellen Impuls heraus geübt und gelebt werden kann.
Die Gemeinschaft achtet die individuelle Andersartigkeit und Souveränität jedes Einzelnen und schützt seine Privatsphäre. Der Einzelne anerkennt die Ziele der Gemeinschaft und trägt mit einem wachen Interesse an seinen Mitmenschen zu deren Umsetzung bei.
Rudolf Steiner hat es einmal so formuliert: „Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft, und in der Gemeinschaft lebet, der Einzelseele Kraft.“
Das Ziel der Gemeinschaftsbildung ist
• die Förderung von sozialer Sicherheit und
• die Verbesserung der Lebensbedingungen in mitmenschlichen Gemeinschaften als auch für den Entwicklungsweg des Einzelnen.
Soziale Sicherheit entsteht in der menschlichen Begegnung durch gelebte Solidarität. Wenn ein Mensch sich dem anderen zuneigt, sich für ihn interessiert, entsteht aus dieser Nähe ein Bewusstsein für Notlagen. In dem Maße, wie es gelingt, Notlagen wahrzunehmen und gemeinsam zu meistern, wächst das Vertrauen. Ein vertrauensvolles menschliches Umfeld stärkt den Mut zum eigenen Weg.
„Die Stärke einer Gemeinschaft misst sich am Wohl der Schwachen, Bedürftigen“. Die Gemeinschaft hilft dort, wo der Betroffene Hilfe braucht und gibt das, was der Betroffene nicht selber zu leisten vermag. Die Gemeinschaft tut nichts, als was jedes einzelne Mitglied mit entschieden hat.
Dazu ist die regelmäßige Begegnung von Mensch zu Mensch und die gemeinsame Absprache nötig. Die Gemeinschaften sind so gebildet (klein und regional), dass jeder jeden genügend kennt. Das gilt auch für Gemeinschaften, die überregional zusammengeschlossen sind.
Die Nothilfe besteht aus Anteilnahme, Hilfe und freiwilligen Schenkungen. Sicherheit entsteht durch das Vertrauen des Einzelnen in die Gemeinschaft, die ihm helfen kann. (nicht durch Ver- oder Absicherungsverträge).