Das Jahr 2012 war nicht nur in spirituellen Kreisen von Weltuntergangs-Szenarien geprägt. Vieles drehte sich um das Ende des Maya-Kalenders, das meist gründlich missverstanden wurde. Die Verunsicherung reichte tief – sogar der Vorstand meiner Hausbank fragte mich am Telefon ernsthaft, ob „da etwas dran sei“.
Ich konnte ihn beruhigen: Nein, die Welt geht nicht unter. Aber ja – sie wird sich in den nächsten Jahren drastisch verändern. Er atmete hörbar auf.
Gleichzeitig spitzte sich in Europa die Finanzkrise zu. Griechenland, Bankenrettung, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) – all das machte sichtbar, wie dreist sich Finanzakteure inzwischen über demokratische Regeln hinwegsetzten und immer mehr Macht an sich zogen.
Es lag eine Schwere in der Luft, eine Frage: Wie lange soll das so weitergehen?
Kurz vor Ostern stellte mir meine Partnerin Barbara dann eine scheinbar verrückte Frage:
„Willst du nicht mal nach Berlin gehen?“
„Wie – zu Fuß nach Berlin?“
„Na, zu Fuß. Und den Politikern mal Bescheid sagen.“
Mein Herz sagte sofort Ja.
Gegen Abend allerdings meldete sich der Verstand – laut und deutlich: „Du spinnst!“
Also bat ich beim Einschlafen mein Höheres Selbst um ein Zeichen.
Als ich morgens aufwachte, war die Antwort unmissverständlich da:
Gehen – ja. Aber nach Brüssel.
Und damit war die Richtung klar.
Die Reise hatte für mich drei Ebenen
• Der Weg ist das Ziel: Die Herzen der Menschen zu berühren.
• Pilgerreise: Der Weg nach innen – Schritt für Schritt.
• Am Ziel: Vor dem Europäischen Parlament zu sprechen.
Dieses Buch ist der Rückblick auf diesen besonderen Weg – so, wie ich ihn damals in meinem Blog beschrieben habe, und wie ich ihn heute, mit etwas Abstand, verstehe.
2012, während meiner Wanderung nach Brüssel, habe ich die einzelnen Etappen in meinem Internetblog dokumentiert. Die Texte waren da, die Erlebnisse frisch – und so gab es für mich zunächst keinen Anlass, sie noch einmal in eine andere Form zu bringen.
Als der Blog später „gecrasht“ war, hatte mich der Alltag in unserem Haus längst wieder eingefangen. Arbeit, Verpflichtungen, das Leben selbst… Und so fand ich nicht die Muße, mich noch einmal diesem Weg zuzuwenden.
In den Jahren danach hat sich unser Leben stark verändert. Wir haben Biocafé und Pension aufgegeben, das Haus verkauft und sind 2016 in Barbaras alte Heimat nach Sachsen-Anhalt gezogen. Ein neues Haus, ein großes Grundstück – auch dieser Neubeginn hat Kraft und Aufmerksamkeit gefordert.
In Oberbrunn hatten wir immer ein offenes Haus und dadurch wenig Privatsphäre. So genossen wir es nun zunächst eine ganze Weile, ganz für uns zu sein, in einer neuen Umgebung anzukommen und unser Leben neu zu ordnen.
Und doch ließ uns das Weltgeschehen nicht los. Der Hype um den angeblich menschengemachten Klimawandel, der es plötzlich ermöglichte, auch die letzte Lücke zu schließen und nach Boden und Wasser nun auch die Luft zu besteuern. Dann die sogenannte C-Krise mit all ihren Maßnahmen, ihrer sozialen Kälte und ihren autoritären Zügen, die für mich in vielem an dunkle Kapitel der Geschichte erinnerten. Und nahtlos daran anschließend der Ukraine-Krieg, mit einer von der Politik verursachten, also ebenfalls menschengemachten Energiekrise.
Hinzu kamen Entwicklungen, die noch tiefer in das Selbstverständnis des Menschen hineinreichen: die Ideen des Transhumanismus, die Verschmelzung von Mensch und Technik, sowie die erneute Zuspitzung der Finanzkrise – bis hin zu Plänen eines digitalen Euros, der Kontrolle und Steuerung weiter zentralisieren würde. All diese Themen erschienen mir nicht als voneinander getrennte Einzelphänomene, sondern als Teile eines größeren Musters. Aus meiner Sicht bewirkten sie vor allem eines: Menschen in Angst, Stress und Anpassung zu halten.
Gerade deshalb wurde für uns die geistige Dimension immer wichtiger. Wir sahen diese Entwicklungen nicht nur als politische oder ökonomische Prozesse, sondern als Ausdruck einer Bewusstseinsfrage: Wie viel Freiheit, Eigenverantwortung und innere Klarheit trauen wir uns selbst noch zu? Und wie viel davon sind wir bereit, abzugeben? Ich sah die Notwendigkeit, mehr Kooperation, ein Miteinander im Sinne von „Miteinander füreinander“ zu leben, das nicht auf Kontrolle, sondern auf Vertrauen, Verantwortung und Verbundenheit gründet.
Gleichzeitig trat die Wanderung nach Brüssel in meinem eigenen Erzählen immer weiter zurück. Ich erwähnte sie zwar noch, aber seltener, kürzer, fast beiläufig. Bis Barbara eines Tages sagte:
„Du erzählst so wenig von deiner Wanderung. Dabei kannst du doch stolz darauf sein.“
Dieser einfache Satz hat etwas in mir berührt. Nicht als Aufforderung zur Selbstdarstellung, sondern als Erinnerung daran, dass dieser Weg ein wesentlicher Teil meines Lebens ist – und dass die Erfahrungen von damals nicht verloren gehen müssen, nur weil Zeit vergangen ist.
So entstand der Entschluss, die verschollen geglaubten Texte wieder auszugraben, sie zu ordnen und ihnen eine Form zu geben, die Bestand hat. Nicht aus Nostalgie, sondern aus der Überzeugung heraus, dass das, was ich damals unterwegs erfahren habe, heute vielleicht noch deutlicher spricht als damals. und konsequenterweise habe ich Satz und Layout auch selbst übernommen – ein Prozess mit manchen Hürden, aber auch mit dem Gefühl, dieses Buch bis in seine Form hinein wirklich zu meinem zu machen.
Was du in diesem Buch lesen kannst, ist kein bloßer Reisebericht. Es ist die Spur einer inneren Bewegung, die mich geprägt hat – und die weitergehen darf. Nicht als fertige Antwort, sondern als Einladung, den eigenen Weg bewusster, wacher und in Verbundenheit mit anderen zu gehen.