Etappe 2: Ramerberg → Kirchseeon

Datum: Mittwoch, 16. Mai 2012
Strecke: 22 km
Über Loh, Bichl, Frauenneuharting und Grafing

Im Buch findest Du diese Etappe in Kapitel 4 auf Seite 23.


Am zweiten Tag meiner Wanderung wurde mir mehrfach Hilfe angeboten. Zunächst lehnte ich dankend ab, doch kurz vor Grafing nahm ich das Angebot einer jungen Frau an. Sie erzählte mir von ihrem blinden Pferd, das sich mit großer Sicherheit bewegte und seinen Weg ganz selbstverständlich fand. Diese Begegnung machte mir Mut – sie zeigte mir, dass Blindheit kein Hindernis sein muss, seinen eigenen Weg zu gehen.
Der Verkehr auf der Straße nach Kirchseeon war laut und anstrengend. Zwei Polizistinnen sprachen mich an und wiesen mich auf einen nahegelegenen Radweg hin, den mein Navigationsgerät nicht kannte. Schließlich brachten sie mich im Streifenwagen sicher über die stark befahrene Bundesstraße. Es beeindruckte mich, mit welchem Respekt und Verständnis sie meinem Vorhaben begegneten.
Am Abend wurde ich in Kirchseeon herzlich empfangen. In einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre klang der Tag ruhig aus. Die Gespräche und die gemeinsame Zeremonie fühlten sich an wie eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg war.

An der Route

Auf dem Weg nach Frauenneuharting bin ich durch den Weiler Loh und die Einöde Bichl gekommen.
Loh steht für die frühere Bezeichnung von hochliegendem, weithin sichtbarem Gehölz. Für die Germanen waren diese Lohe heilige Haine und Opferstätten.
Auch Bichl liegt auf einem Hügel, was auch genau die Bedeutung des Namens ist.

Frauenneuharting

Bild: Katholische Pfarrkirche Mariä Heimsuchung Frauenneuharting
Um das Jahr 1000 wurde die Kirche in Frauenneuharting geweiht. Die Katholische Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Frauenneuharting ist im Kern spätgotisch, der barocke Ausbau erfolgte 1632. Frauenneuharting gehörte zum Rentamt München und zum Landgericht Schwaben des Kurfürstentums Bayern und war Sitz einer Hauptmannschaft. Die Herren von Pienzenau waren von 1381 bis 1800 als Hofmarksherren mit Jakobneuharting, dem früheren Neuharting, und den umliegenden Ortschaften verbunden. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Am 29. Dezember 1944 wurden bei einem Bombenangriff der USAAF eine Flüchtlingsbaracke getroffen. Dabei kamen fünf Mitglieder einer evakuierten Münchner Familie ums Leben. Der Angriff galt vermutlich einer Abteilung der Forschungsanstalt der Reichspost, die 1942 bei Jakobneuharting eingerichtet wurde. Die Anlage selber wurde nicht getroffen.

Bild: Die Windkraftanlage in Frauenneuharting
Die Windkraftanlage der Gemeinde Frauenneuharting misst 15,4 Meter Nabenhöhe. Mit einem Rotordurchmesser von 4,4 Metern erzeugt sie Energie für das Gemeinde- und Schulhaus in Frauenneuharting. Der Überschuss wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Die gemeindeeigene Photovoltaikanlage hat eine Leistung von 8,3 KWp.

Grafing bei München

Bild: Der Marktplatz in Grafing
Die reizvolle Lage der Stadt (518 m über NN) ist durch ein nach Süden offenes Tal und die hügelige Endmoränenlandschaft in der Umgebung geprägt.
Schon vor über 4000 Jahren gab es hier eine frühbronzezeitliche Höhensiedlung. Aus der Eisenzeit (500 v.Chr.) ist eine keltische Viereckschanze nachgewiesen. Um 1040 wurde Grafing das erste Mal urkundlich erwähnt. 1376 wurden Grafing die Marktrechte verliehen und 1953 erfolgte die Stadterhebung.
Das Umland und auch Grafing selbst haben viel Grün zu bieten. Wälder und Wiesen wechseln sich in einer oft naturbelassenen oder landwirtschaftlich genutzten Landschaft ab.
Gleich am südlichen Ortsrand erstreckt sich der Dobel, ein Waldgebiet mit Höhen und steilen Abhängen, dessen markantes Profil in der jüngsten Eiszeit geformt wurde.
Grafing bietet für Wander- und Naturfreunde viele Möglichkeiten für verschiedenste Aktivitäten.  Für Fahrradtouren ist die Stadt ein idealer Ausgangspunkt. Ein mittlerweile gut ausgebautes Netz von Radwegen in und um Grafing sowie in der gesamten Region östlich von München ist für kleine und größere Touren bestens geeignet.
Die Stadt Grafing setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2030 unabhängig von fossilen und anderen endlichen Energieträgern zu werden.
Aus dem Leitbild von Grafing
Eines der größten Potenziale Grafings ist das breite ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung, welches sich in umfangreichen Beteiligungsmöglichkeiten und -formen am Leben des Gemeinwesens zeigt. Die in Grafing lebenden Menschen stellen somit einen großen Teil ihrer Leistungskraft in den Dienst der Gemeinschaft und werden hierin unterstützt. Um für die immer wieder neuen Herausforderungen an das Gemeinwesen Lösungen zu suchen und zu entwickeln, bedarf es der Bereitschaft zu geistiger Flexibilität. Integration und Erhalt der Vielfältigkeit führen zum fairen und toleranten Umgang aller gesellschaftlichen Gruppen.

Marktkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Bild: Die Marktkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Als kunstgeschichtliches Kleinod gilt die Marktkirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Sie wurde 1672 von Gallus Mayr, dem Vater des Erbauers der barocken Pfarrkirche, errichtet. Die Initiative hierzu stammte von den Grafinger Bürgern, so ist sie auch in der Front der Häuser nördlich des Marktplatzes eingefügt.

Markt Kirchseeon – Umgeben von Wäldern und Feldern

Im Norden erstreckt sich auf voller Länge des Marktes der Ebersberger Forst, Bannwald und Landschaftsschutzgebiet. Im Süden liegen reizvolle Dörfer, kleine Seen und erstklassige Wanderwege durch bäuerliche Landschaft und Wälder.
Die Landschaft ist geprägt von den typischen Endmoränen der Würmeiszeit. Im heutigen Kirchseener Moos dehnte sich einmal ein Moränensee aus, der heute nur noch in Resten vorhanden ist. Man hat die Schichtenfolge untersucht und gefunden, dass sie vollständig von der Gegenwart bis in die Frühzeit zurückreicht. Dieser See ist es gewiss gewesen, der Menschen veranlasste, hier zu siedeln.
Am Forstgatter entdeckte Hügelgräber, die der Hallstattepoche angehören dürften, beweisen, dass in diesem Bereich schon vor 2500 Jahren Menschen sesshaft geworden sind. Den Trägern dieser Kultur folgten um 400 v. Chr. die Kelten, worauf Einzelfunde aus der Latene-Zeit hindeuten. Kirchseeon-Dorf wird 842 erstmals als „Sevun" genannt, was „am See gelegen" heißt.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bedeckte noch dichter Wald das Gebiet, in dem wir heute das weit nach Westen vorgezogene Kirchseeon sehen. „Holzland" hieß diese Gegend damals. Durch die Eisenbahnstrecke München - Rosenheim beschleunigte sich die Entwicklung von Kirchseeon erheblich. Der Staat erwarb damals 20 Tagwerk Grund für den Bau einer Imprägnieranstalt. Bahnhof und Fabrik bewirkten das Wachstum des Ortes.
Bild: Historische Badstube  Bild: Das Brunnenbüberl
Historische Badstube (17. Jhd.) und Brunnenbüberl

Der Perchtenlauf

Bild: Perchtenmasken
Ein Röcheln und Rasseln, ein Scheppern und Schreien, ein höllisches Spektakel. Das ist sie, die andere, die dunkle Seite der bayerischen Art, schrecklich und schaurig. Ein lautstarkes Echo dieser geheimnisvollen Seelenlandschaft ist die Rauhnacht. In ihr vereinen sie sich, die Kräfte des Unterbewussten, die Mächte der Nacht.
Rauh- oder Rauchnächte, das war im Alpenraum früher die Zeit zwischen der Thomasnacht am 21. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Januar. Der Begriff Rauh oder Rauch leitet sich vom ursprünglichen Wortsinn ab, von "rauch", das heißt haarig, behaart. Einen doppelten Wortsinn bekam die Rauhnacht schließlich durch den Brauch, in diesen Nächten, vor allem an Dreikönig, Haus und Hof mit Weihrauch auszuräuchern, damit die bösen Geister keinen Einlass fanden.
Die Perchta ist doppeldeutig, sowohl Sinnbild der Sünde, als auch der Sühne. Diese wechselnde Symbolik, hier die Frau Percht als die Böse, dort als die Gute, hat sich bis heute erhalten.
Perchten sind trotz des oft schaurigen Aussehens Glücks- und Segensbringer. Sie sollen Haus und Hof im kommenden Jahr vor Unglück bewahren und Fruchtbarkeit bringen.
Holzarbeiter aus Südtirol, Österreich, dem Bayerischen Wald und dem Schwarzwald brachten die Tradition des Perchtenlaufens nach Kirchseeon, wo dieses mystische Brauchtum seit den 50er Jahren wieder gepflegt wird. Die Perschtenläufe finden jedes Jahr im gesamten Gemeindegebiet statt - jeweils an den Wochenenden in der Weihnachtszeit bis zum Dreikönigstag.
Perchtenbund Soj (www.perchten-kirchseeon.de)

Walpurgisnacht – Die Hexen sind los

Im Frühjahr erwachen nicht nur die Lebensgeister in Mensch und Natur, sondern auch manche anderen Wesen aus ihrer winterlichen Starre und folgen ihrer Bestimmung. In diese Zeit fällt auch der 30. April, der Tag, dem die Walpurgisnacht folgt. Sie ist eine besonders magische Nacht - eine „Freinacht“, in der so manche Gestalt ihr Unwesen treibt. Viele wahre und halbwahre Geschichten ranken sich um seltsame Begebenheiten an verwunschenen Orten.
Sie reiten in der Walpurgisnacht mit dem Besen zum Blocksberg, tanzen ungestüm und wild ums Feuer, sind hässlich und gemein und wer ihnen zum Opfer fällt, ist meist verloren. Ob solches Treiben in den vergangenen Jahrhunderten auch in Kirchseeon stattgefunden hat, ist nicht überliefert – aber ist es deshalb auszuschließen? Sicher nicht, denn neben dem Brocken im Harz ist der Kirchseeoner Marktplatz schon seit vielen Jahren ein beliebter Treffpunkt für alle Hexen und ihre Fans. In jedem Jahr schwingen sich mehr als 60 große und kleine Hexen auf ihre Reisigbesen,  um den Zuschauern ein großartiges Spektakel zu bieten.
Kirchseeoner Hexen e.V. (www.kirchseeonerhexen.de)

Gedanken des Tages

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie Du Dein Geld verdienst.
Ich will wissen wonach Du Dich sehnst und ob Du es wagst,
davon zu träumen, der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.
Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich will wissen, ob Du es riskierst, Dich für die Liebe lächerlich zu machen,
für Deine Träume, für das Abenteuer lebendig zu sein.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu Deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob Du den Kern Deines eigenen Leidens berührt hast,
ob Du durch die Enttäuschung des Lebens geöffnet worden bist,
oder zusammengezogen und verschlossen aus Angst vor weiterem Schmerz.
Ich will wissen, ob Du im Schmerz stehen kannst, meinem oder Deinem eigenen,
ohne etwas zu tun um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern
oder in Ordnung zu bringen.
Ich will wissen, ob Du mit Freude sein kannst, meiner oder Deiner eigenen;
ob Du mit Wildheit tanzen und Dich von Ekstase füllen lassen kannst
bis in die Spitzen Deiner Finger und Zehen,
ohne uns zu ermahnen, vorsichtig zu sein, realistisch zu sein
oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.
Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst wahr ist.
Ich will wissen, ob Du einen Anderen enttäuschen kannst, 
um Dir selbst treu zu bleiben;
ob Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht Deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und darum vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob Du die Schönheit sehen kannst,
auch wenn es nicht jeden Tag schön ist;
und ob Du Dein Leben aus SEINER Gegenwart entspringen lassen kannst.
Ich will wissen, ob Du mit Versagen leben kannst, Deinem oder meinem,
und trotzdem am Ende eines Sees stehen kannst
um zum silbernen Vollmond zu rufen:
„Ja".
Es interessiert mich nicht, zu wissen wo Du lebst und wieviel Geld Du hast.
Ich will wissen, ob Du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen, um Dich um die Kinder zu kümmern.
Es interessiert mich nicht, wer Du bist und wie es kommt, dass Du hier bist.
Ich will wissen, ob Du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem Du studiert hast.
Ich will wissen, was Dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.
(Oriah Mountain Dreamer,, indianischer Ältester)