
Datum: Sonntag, 20. Mai 2012
Strecke: 28 km
über Oberschweinbach, Längenmoos, Mittelstetten, Ried und Kissing
Im Buch findest Du die Etappe in Kapitel 5 auf Seite 31.
Oberschweinbach gehört zum Landkreis Fürstenfeldbruck und ist seit dem 12. Jahrhundert urkundlich belegt. Die Gegend ist bis heute stark landwirtschaftlich geprägt. Weite Felder, einzelne Höfe, wenig Verdichtung – eine Landschaft, die ruhig wirkt, aber Kraft kostet, wenn man sie zu Fuß durchquert.
Die Region zählt historisch zum sogenannten Lechrain, der Grenzlandschaft zwischen Altbayern und Schwaben. Über Jahrhunderte hinweg war der Lech kulturelle und politische Trennlinie.
Längenmoos ist ein kleiner Weiler bei Mittelstetten – typisch für die kleinteilige Siedlungsstruktur Westoberbayerns. Mittelstetten selbst ist eine alte bäuerliche Gemeinde, die heute vor allem Wohnort für Pendler ist.
Am Rande bemerkt: Mittelstetten hier – und später auf meiner Wanderung Mittelstätten. Solche Wortähnlichkeiten bleiben hängen. Ob Zufall oder leise Synchronizität – sie erzählen ihre eigene Geschichte.

Ried liegt nahe dem Lechfeld – einem geschichtsträchtigen Ort. Hier besiegte 955 König Otto I. die einfallenden Ungarn in der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld. Dieses Ereignis gilt als entscheidend für die Stabilisierung des ostfränkisch-deutschen Reiches.
Heute wirkt die Gegend ruhig und unspektakulär. Doch der Boden trägt Geschichte.
Kissing ist eine frühmittelalterliche Siedlung im Augsburger Land und heute Teil des Pendlergürtels rund um Augsburg. Bahnlinien verbinden den Ort mit München und Augsburg – für mich an diesem Tag eine willkommene Möglichkeit, Kräfte zu sparen.
Hier traf ich Nikolaus, der das Rainbow-Spirit-Festival in München mit organisiert hat.
Er hatte von meiner Wanderung gelesen und wollte mich unbedingt kennenlernen.
Seine Frage nach dem „Verrücktsein“ war ehrlich gemeint. Und vielleicht war sie berechtigt. Doch es fühlte sich für mich nicht wie Verrücktheit an. Es war Entschlossenheit.
Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands. 15 v. Chr. als „Augusta Vindelicorum“ gegründet, entwickelte sie sich zu einer bedeutenden Handelsstadt. Fugger und Welser prägten ihre Blütezeit in der Renaissance. Heute gehört das historische Wassermanagement-System der Stadt zum UNESCO-Welterbe.
Für mich war Augsburg an diesem Abend jedoch weniger geschichtlicher Ort als Ruhepunkt.

Mein Gastgeber war mein Freund Apu Kuntur, den ich aus schamanischen Kreisen kenne. Er arbeitet unter anderem mit Oberton- und Kehlgesang und versteht den sogenannten „Kondortanz“ als spirituelle Manifestation einer inneren Kraft, die er mit dem Andenkondor verbindet.
(Kondortanz)
Nach der langen Etappe war ich vor allem dankbar für einen Ort der Stille. Für ein Gespräch. Für ein Ankommen.
Manche Tage sind nicht spektakulär – sie sind schlicht fordernd.
Und genau das macht sie bedeutsam.
Das Internationale Rainbow Spirit Festival ist das größte spirituelle Event in Europa, das nicht an kirchliche Traditionen und Organisationen angebunden ist.
Das Festival ist eine Begegnung der Menschen und Wege und bietet somit für jeden etwas: Meditation, Konzert, Satsang, Tanz und Feier sowie Diskussion, Vortrag und Workshop. Fast alles und alle sind vertreten: Eine Ausstellung mit über 200 Informationsständen macht eine gezielte und breite Information zu den verschiedensten Themen von Ayurveda über Feng Shui bis zu Reiki und Yoga möglich.
Als „ein Woodstock des Geistes" beschrieb eine Journalistin das Festival. Das Besondere an diesem Ereignis ist der undogmatische und offene Charakter, der sich an der spirituellen Suche des Menschen nach Wahrheit, Gott, bzw. dem Selbst orientiert - ohne in irgendeiner Weise eine bestimmte Richtung auszugrenzen. Ist doch die religiös-spirituell-esoterische Bewegung in der Regel bemüht, sich voneinander abzugrenzen und in arrogant anmutenden Grabenkämpfen vertieft, so ist der Verdienst des Rainbow Spirit Festivals, das vereinende Element in den Vordergrund zu stellen.
Der Name ist gleichzeitig Motto und Leitgedanke: Der Geist des Regenbogens – verschiedene Farben, die miteinander zu einer Brücke zwischen Himmel und Erde verschmelzen. Es ist der klare Aufruf an die sich als spirituell-religiös „outenden" Menschen, sich darauf zu besinnen, daß alle letztlich dasselbe suchen, und daß der Weg dorthin nur in gegenseitiger Achtung und im Respekt der anderen Weltanschauungen möglich ist. Eine Botschaft, die sich auch viele Kirchenmänner und Politiker zu eigen machen sollten.
Heute heißt es „One-Spirit-Festival“ und findet in diesem Jahr in Freudenstadt statt.
www.one-spirit-festival.de
Entschlossenheit bedeutet nicht, keine Grenzen zu haben.
Entschlossenheit bedeutet, sie zu erkennen – und dennoch weiterzugehen.