Datum: Freitag, 25. Mai 2012
Strecke: 16 km geplant, 18 gelaufen
über Löpsingen, Dürrenzimmern
Im Buch: Kapitel 6, Seite 36
Ackern gegen die Krise
Kurz vor Ehingen wurde ich von der Tochter meines Gastgebers Peter Hillesheimer an der Straße abgeholt und auf den Acker geführt. Peter und seine Frau Sandra waren noch damit beschäftigt, mit dem Pony und einem Pferde-Mähwerk Gras zu mähen. Sie haben zwischen einer Reihe Pappeln Schnüre gespannt, auf die sie das frisch geschnittene Gras aufhängen können. Durch dieses „Reutern“ sparen sie sich die zeitaufwendigen Zwischenschritte des Streuens und Wendens.
Das Heu ist das Winterfutter für die Milchschafe. „Der nächste demeter-Milcherzeuger war uns zu weit weg, und so überlegten wir, wie wir am besten unsere eigene Milch gewinnen könnten. Kühe sind da zu aufwendig und die Milchmenge ist für unsere Familie zu groß. Außerdem ist bei einer etwaigen Krankheit einer Kuh der Ausfall ebenso groß. Ziegen sind uns zu schwierig zu halten, weil sie alles anknabbern. Und so kamen wir auf die Milchschafe.“
Daher gibt es bei den Hillesheimers fast jeden Tag frischen Pudding aus Schafsmilch – lecker! Ebenso täglich frisch ist das Weizenbrot und einmal pro Woche backt Sandra Roggenbrot, da sich das besser hält. Das Getreide ist natürlich auch vom eigenen Feld.
Neben den Milchschafen gibt es die Venus, ein belgisches Kaltblut, zwei Ponys und ungefähr 15 Hühner und einen der vom Aussterben bedrohten alten Rasse „Augsburger Huhn“Hahn. Die Pferde sind der Traktor-Ersatz. Und so werden fast alle Wege mit dem Pferd oder dem Fahrrad zurückgelegt. Das Auto musste im letzten Jahr nur 300 km bewegt werden! Getankt wird selbst produziertes Pflanzenöl.
Auf dem Meierhof werden über 200 verschiedene Pflanzen angebaut. „Diese Vielfalt garantiert, dass auch bei Ausfall einer Ernte immer genug da ist. Klappt zum Beispiel der Getreideanbau einmal nicht, sind immer noch 1a-Kartoffeln da – oder umgekehrt. Fällt die Kirschernte schlecht aus, gibt es dafür gute Erdbeeren.“
Peters gut eingerichtete Werkstatt ist für den Maschinenbauer sehr wichtig, weil er viele Geräte für den Selbstversorgerhof selber bauen oder gebraucht gekaufte alte Geräte instandsetzen muss. „Viel Zeit geht damit drauf, Lösungen zu finden. Motorsägen gibt es zu Hauf für wenig Geld; für gute Handsägen musste ich tagelang recherchieren. Billige Elektro-Seilwinden fürs Auto sind leicht zu bekommen; doch laufen die zu langsam und die passende Hand-Seilwinde, wie ich sie mir vorstelle, habe ich noch nicht gefunden. Die brauche ich dringend zum Aufladen von Eichenstämmen im Wald…“
Sandra steht jeden Tag um fünf Uhr auf und hat nur sehr selten mal den Wunsch, länger liegen zu bleiben. „Als ich noch 40 Stunden im Büro geschafft habe war das anders.“
Die Konsequenz, mit der die Hillesheimers mit ihren drei Kindern von 1 bis 7 auf dem Meierhof nachhaltige Selbstversorgung leben, bringt ihnen viel Erfüllung. Am meisten zu schaffen macht ihnen, dass viele bewährte alte Techniken nicht mehr verfügbar sind. „So wäre es schon hilfreich, wenn noch ein paar Menschen hier mit uns leben würden. Doch bisher wollte von den vielen Besuchern diese Konsequenz niemand leben.“