
Datum: 1. Juni 2012
Strecke: 21 km geplant, 27,8 km gelaufen
über Oberrimbach, Rinderfeld, Wermutshausen und Vorbachzimmern
Im Buch: Kapitel 7, Seite 45

Die Orte entlang der Strecke – Oberrimbach, Rinderfeld und Wermutshausen – gehören zu einer Landschaft, die stark von Landwirtschaft geprägt ist. Viele dieser Dörfer entstanden bereits im frühen Mittelalter während der fränkischen Landerschließung.
Typisch sind kleine Dorfkirchen, Hofanlagen und die weiten Felder der Hochflächen. Die Landschaft wirkt ruhig und offen – ein starker Kontrast zur touristisch belebten Altstadt Rothenburgs nur wenige Kilometer entfernt.
Gerade diese Übergänge zwischen Flusstal und Hochfläche prägen das Tauberland. Wer hier unterwegs ist, merkt schnell: Die Region ist alles andere als flach.

Vorbachzimmern gehört zum Weinbaugebiet Württemberg, genauer zur Region Tauberberg. Schon im Mittelalter legten Klöster und Adel entlang der sonnigen Hänge Weinberge an.
Heute prägen vor allem Rebsorten wie Trollinger, Lemberger, Schwarzriesling und Riesling die Gegend. Viele Weinberge werden im Nebenerwerb bewirtschaftet, und manche der alten Terrassen sind inzwischen wieder zu Wiesen geworden.
Die kleinen Orte entlang der Tauber erzählen viel von dieser jahrhundertealten Kulturlandschaft.
Für mich wurde Vorbachzimmern zunächst zu einem kleinen Frustmoment. Mehrere Quartiere, die ich mir im Vorfeld herausgesucht hatte, existierten inzwischen nicht mehr. Das ist typisch für viele ländliche Regionen:
Viele kleine Gasthäuser und Pensionen haben in den letzten Jahrzehnten geschlossen – oft, weil sich keine Nachfolger fanden oder sich der Tourismus stärker auf größere Orte konzentrierte. Für Wanderer bedeutet das manchmal, dass sorgfältig geplante Übernachtungen plötzlich nicht mehr funktionieren.
Doch wie so oft auf dieser Reise zeigte sich: Wenn sich ein Weg schließt, öffnet sich ein anderer.

So kam es, dass ich schließlich meinen Gastgeber Reinhard in Niederstetten traf – und zwar ganz bodenständig in einer Pizzeria.
Reinhard hatte sich intensiv mit dem aramäischen Urtext des „Vater Unser“ beschäftigt. Die meisten Menschen kennen das Gebet nur in seiner griechischen oder späteren deutschen Überlieferung. Doch Jesus sprach vermutlich Aramäisch, eine semitische Sprache, die im Nahen Osten zur Zeit des ersten Jahrhunderts weit verbreitet war.
Schon die erste Zeile des Gebets
„Abwun d’bwashmaya netqadash shmach“
wird gewöhnlich übersetzt mit:
„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.“
Reinhard zeigte jedoch eine andere Perspektive auf diese Worte.
Das Wort „Abwun“, verwandt mit „Abba“, ist ein liebevoller Ausdruck für Vater – eine Anrede, die Nähe und Beziehung ausdrückt. In diesem Sinne lässt sich der Satz auch freier verstehen als:
„Du geliebtes Wesen in allem Sein – das, was du bist, möge sich offenbaren.“
Im Buch findest Du die vollständige Interpretation des Vater Unser, die mir Reinhard nach unserer Begegnung geschickt hat.