Freundeskreis der Männer des Jahres: Jaartallenleven in Leuven

50 zu werden ist keine Kleinigkeit, aber in Leuven hat man eine ganz besondere Art, mit diesem Alter umzugehen. Im Alter von vierzig Jahren schließen sich Männer desselben Geburtsjahres zusammen und zwischen ihrem 40. und 50. Geburtstag organisieren sie alle möglichen Aktivitäten und nehmen daran teil. Dieser einzigartige Brauch rund um gelebte Freundschaft, Solidarität und generationsübergreifendes Engagement ist in Leuven als „Jaartallenleven“ bekannt. Mit dem Jaartallenleven sind auch zahlreiche Traditionen verbunden.
In der Rubrik „Träger“ sprechen wir mit und über Träger von Ritualen, Traditionen oder Bräuchen. So sprach Histories mit Gunther van der Plas, einem der „Männer von 73“. Er gehört also zum Freundeskreis der Männer, die im Jahr 1973 geboren wurden. Um mehr über das „Jaartallenleven“ und alles, was damit zusammenhängt, zu erfahren, haben wir ihn angerufen und ihm unsere Fragen gestellt. Du kannst das auf der Gesprächsseite nachlesen.

Anfänge
Über die Ursprünge des „Jaartallenleven“ in Leuven ist wenig bekannt. Die „Jaartallen“ selbst geben 1890 als Gründungsjahr an. Damals trafen sich Handelsreisende regelmäßig im Café „De Biekorf“ in der Naamsestraat. Während eines Gesprächs zwischen zwei von ihnen bezeichnete der eine den anderen als „Rotznase“, und so kam das Thema Alter zur Sprache. Plötzlich stellte sich heraus, dass acht Anwesende im Café im selben Jahr geboren waren. Die betreffenden Männer beschlossen prompt, einen Freundeskreis zu gründen und gemeinsam ihren 50. Geburtstag zu feiern. Diese Theorie wird auch durch wiedergefundenes Fotomaterial und Dokumente aus Familienarchiven gestützt. Das älteste Foto aus dieser Zeit stammt aus dem Jahr 1890 und zeigt die „Männer des Jahres 1840“ an ihrem 50. Geburtstag. Archive enthalten auch Hinweise auf das Bankett, das diese Gruppe 1890 im Hôtel de Suède zu Ehren ihres 50. Geburtstags veranstaltete. Wer genau diese Männer waren, ist unbekannt: Keiner von ihnen konnte jemals identifiziert werden.
In den Anfangsjahren fungierten die Freundeskreise „Männer des Jahres“ vor allem als Sparverein. Die Mitglieder trafen sich einmal im Monat, um „einen Groschen zu sparen“, damit sie zu ihrem 50. Geburtstag genug Geld hatten, um das Ereignis gebührend zu feiern.
Nach und nach kamen weitere Aktivitäten hinzu, sowohl intern als auch für Außenstehende. So erlangte das „Jaartallenleven“ einen wichtigen Platz im Leuvener Vereinsleben und entwickelte sich zu einer bedeutenden lokalen Tradition.

Mitgliedschaft
Der Tradition zufolge müssen lediglich zwei Voraussetzungen erfüllt sein, um dem „Freundeskreis der Männer des Jahres“ beizutreten: man muss männlichen Geschlechts sein und in einem bestimmten Jahr geboren sein. In Leuven geboren zu sein oder dort zu wohnen, ist also nicht erforderlich. Es gibt sogar einige Jahrgänge, die Mitglieder aus den Niederlanden und Deutschland haben. 39-jährige Männer werden jedenfalls nicht automatisch Mitglied des Freundeskreises ihres Geburtsjahres. Allerdings erhält jeder 39-jährige Mann aus dem Großraum Leuven und Umgebung ein Einladungsschreiben.
Das Leben in den Jahrgängen spricht viele Menschen an, aber nicht jeder Mann fühlt sich dazu berufen, Mitglied zu werden: Die Mitgliedschaft in einem Freundeskreis „Männer des Jahres“ erfordert nämlich ein gewisses Engagement, und zwar nicht nur finanziell durch die Zahlung des Mitgliedsbeitrags, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Nachdem der Jahrgang richtig in Gang gekommen ist, erweisen sich die Mitglieder als sehr treu.
Aktive Jahrgänge
Da jedes Jahr ein neuer „Freundeskreis Männer des Jahres“ gegründet wird, sind stets 10 Jahrgänge gleichzeitig aktiv.
Traditionell durchläuft ein aktiver Jahrgang mehrere verschiedene Phasen.
Heutzutage wird ein Freundeskreis „Männer des Jahres“ im Alter von 39 Jahren gegründet. Das erste Jahr ist eigentlich ein Vorbereitungsjahr. Man spricht dann von einem „Gründungsjahrgang“. Sobald die Männer des Freundeskreises 40 Jahre alt geworden sind, spricht man vom „aufstrebenden Jahrgang“.
Die aktive Phase eines „Freundeskreises Männer des Jahres“ beginnt im darauffolgenden Jahr und erstreckt sich über den gesamten Zeitraum zwischen dem 40. und dem 50. Geburtstag der Mitglieder.
In dieser Zeit organisiert der Jahrgang Aktivitäten, die Geld in die Kasse spülen, zeigt aber auch viel soziales Engagement. Jeder Jahrgang hat zudem ein Ehrenmitgliedskomitee, das vor allem in finanzieller Hinsicht Unterstützung leistet.
Die aktive Zeit eines „Freundeskreises der Männer des Jahres“ endet mit einem besonderen Festtag: dem Jahrgangstag.
Inaktive Jahrgänger

Nach dem Jahrgangstag wechselt ein „Freundeskreis der Männer des Jahres“ zu den „Abrahams der Jahrgänge“ oder den inaktiven Jahrgängen und lässt es daher etwas ruhiger angehen. Oft ist die Freundschaft, die im Laufe der Jahre zwischen den Männern eines Jahrgangs entstanden ist, so eng geworden, dass großer Wert darauf gelegt wird, diese Verbindung auch danach aufrechtzuerhalten.
Nicht-aktive Jahrgänge nehmen daher weiterhin an allerlei Aktivitäten teil, insbesondere an denen des „Blocks“, zu dem sie gehören. Mit einem Block sind alle Jahrgänge mit derselben Endziffer gemeint.
Die Blockbildung ist ein wichtiges Element in der Funktionsweise der Jahrgänge, da sie die Freundschaft zwischen verschiedenen Generationen fördert. Die Männer von 1913 haben das Peter-Jahrgangssystem eingeführt. Damit wird der Freundeskreis von Männern bezeichnet, die genau 10 Jahre älter sind. Wenn sie ihren 50. Geburtstag gefeiert haben und „Abrahams“ werden, helfen sie dem neuen Jahrgang bei der Gründung. Außerdem gibt es auch sogenannte „Großväter“. Das sind dann die Männer, die 20 Jahre älter sind als die Mitglieder des neuen „Freundeskreises Männer des Jahres“.
Königlicher Verand der Jaartallen Leuven e.V.
Ende der 1940er Jahre stellten die verschiedenen Jahrgänge fest, dass mehr Koordination erforderlich war, um alles, was mit dem Leben der Jahrgänge zu tun hatte, in geordnete Bahnen zu lenken. 1956 beschlossen einige Jahrgänge auf Anregung des „Freundeskreises Männer von 1906“, ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam den Festtag zu organisieren. Nach dieser ersten positiven Erfahrung wurde die Zusammenarbeit nach und nach ausgeweitet und nahm 1961 mit der Gründung des „Koninklijk Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ endgültig Gestalt an, der bis heute als Dachverband der verschiedenen „Vriendenkringen Mannen van het Jaar“ fungiert. Seit 1997 hat der Verband in den Ratskammern unter dem Leuvener Rathaus ein Zuhause gefunden.
Vielfalt

Das Besondere am „Jaartallenleven“ ist, dass es von Anfang an für alle offen war. Das verbindende Element zwischen den Mitgliedern eines Jahrgangs ist ihr Geburtsjahr. Welche politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen jemand vertritt oder welchen Rang, welchen Stand oder welche Herkunft jemand hat, spielt im „Jaartallenleven“ keine Rolle: Jeder ist in diesem Freundeskreis willkommen.
Bereits im 19. Jahrhundert brachten die Freundeskreise Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, führende Politiker, Kaufleute und Professoren mit Arbeitern und Angestellten zusammen. Zu den bekannten Teilnehmern des „Jaartallenleven“ zählen der ehemalige Premierminister Gaston Eyskens und der ehemalige Minister und derzeitige Bürgermeister von Leuven, Louis Tobback. Die traditionelle Offenheit der Anfangsjahre wird auch heute noch sehr hochgehalten.
Erste Aufgaben
Eine der ersten Aufgaben eines neu gegründeten Freundeskreises ist die Wahl eines Erkennungszeichens, einer Fahne und einer Tracht. Das ist an sich nicht verpflichtend, gehört aber mittlerweile zu den festen Traditionen, die die Jahrgänge pflegen. Ursprünglich wurde nur ein Erkennungszeichen gewählt, ein bescheidenes, aber gut sichtbares Abzeichen, das an der Brust befestigt wird. Viele Freundeskreise haben sich bisher dafür entschieden, ein Bild zu verwenden, das sie an ihr Geburtsjahr oder ihre Jugendzeit erinnert.
Die Männer von 1906 waren die ersten, die eine Fahne wählten, die sie als Gruppe symbolisiert. Fahnen haben ohnehin etwas Festliches an sich und lenken bei jedem Umzug oder öffentlichen Anlass die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Existenz der Gruppe. Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Verband, der übrigens selbst auch eine eigene Fahne hat, mit dem Sammeln von Fahnen der aufgelösten Jahrgänge. Die Sammlung in den Ratskellern unter dem Leuvener Rathaus ist regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich.
Obwohl auch dies keine Verpflichtung ist, ist es mittlerweile Tradition, im Laufe des Monats Mai die Fahne des kommenden Jahrgangs zu weihen. Dazu werden alle Fahnenträger in die Leuvener St.-Petrus-Kirche eingeladen. Nach der Feierlichkeit bietet die Stadtverwaltung von Leuven noch einen Empfang in den Ratskellern unter dem Rathaus an.

Die „Männer von 1925“ waren die ersten, die eine Uniform trugen. Auch dies stärkt natürlich das Zusammengehörigkeitsgefühl. Es wird jedoch streng darauf geachtet, dass das Kostüm nicht zu karnevalesk wirkt.
1977 entstand der Brauch, die Statue von „Fonske“, die auf dem Fochplein in Leuven steht, mit einer Miniaturversion des Kostüms des jeweiligen Jubiläumsjahres zu schmücken. Inzwischen hat sich dieser Brauch zu einer echten Tradition entwickelt. Die Minikostüme werden anschließend dem städtischen Museum M zur Aufbewahrung übergeben. In den Ratskammern sind zudem 12 Repliken von Fonske in verschiedenen Kostümen zu sehen.
Bild: Auf der Fahne steht: Freundeskreis 1925
Für das Leben und darüber hinaus
Wer Mitglied eines Jahrgangs wird, bleibt dies in der Regel ein Leben lang. Viele Männer sind wirklich stolz darauf, Teil eines „Freundeskreises der Männer des Jahres“ zu sein. Oft wird diese Tradition auch innerhalb einer Familie von einer Generation an die nächste weitergegeben. Dass das Leben in einem Jahrgang für manche sehr viel bedeutet, lässt sich auch daran erkennen, dass Menschen ihrem Freundeskreis bis zu ihrer letzten Ruhestätte treu bleiben. Bei vielen ehemaligen Mitgliedern wurde die Mitgliedschaft bei ihrem Tod daher auf der Todesanzeige vermerkt. Einige ehemalige Mitglieder wurden auch in der Tracht ihres Jahres begraben.
Und die Frauen?
Wie bereits erwähnt, können nur Männer Mitglied einer Jahrgangsgruppe werden. Dennoch sind Frauen nicht ganz vom Leben der Jahrgangsgruppen ausgeschlossen. Oftmals helfen die Ehefrauen der Mitglieder regelmäßig bei den von der Jahrgangsgruppe organisierten Aktivitäten mit. Im Laufe der aktiven Zeit lernen sie sich daher immer besser kennen und bilden schließlich selbst einen engen Freundeskreis.
Zudem kommt der „Marraine“ seit den 1950er Jahren eine besondere Rolle zu. Es waren die „Mannen van 1906“, die – in Anlehnung an die Studentenvereinigungen – als Erste eine „Marraine“ oder „Patin“ wählten. Der Tradition zufolge muss die Marraine im selben Jahr geboren sein wie die Mitglieder des Jahrgangs. Anfangs war die Marraine meist die Wirtin des Lokals, in dem die Versammlungen stattfanden. Später war dies nicht mehr immer der Fall, beispielsweise weil ein neues Lokal ausgewählt wurde oder weil die Mitglieder andere Erwartungen hatten. Ein Jahrgang ist ohnehin nicht verpflichtet, eine Marraine zu haben, doch viele Freundeskreise messen dieser Tradition große Bedeutung bei. Auch wenn die Rolle der Patinnen für die Außenwelt vielleicht begrenzt erscheint, sind sie dennoch von enormer Bedeutung für die Jahrgänge. Schließlich bieten sie Unterstützung und verleihen dem Jahrgang Ausstrahlung. Darüber hinaus stehen sie auch symbolisch für das soziale Engagement der Freundeskreise „Männer des Jahres“. Der Verband der Jaartallen sorgt daher dafür, dass die Marrainen die Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhalten, die sie verdienen, koordiniert und bündelt ihre Aktivitäten und organisiert etwa sechsmal im Jahr ein Treffen für alle Marrainen. Jährlich finden zudem ein Patinnen-Dinner und ein Patinnen-Ball statt.
Innerhalb des Jahreszahlen-Lebens gibt es auch Ehrenpatinnen. So ist beispielsweise Wendy van Wanten Ehrenpatin der Männer von 1960.
Traditionelle Aktivitäten
Der „Koninklijk Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ organisiert als Dachverband sowohl allgemeine als auch gesellige Aktivitäten. Neben den bereits genannten Veranstaltungen findet zu Beginn des Jahres traditionell ein Neujahrsempfang statt, zu dem alle Mitglieder mit ihren Partnern eingeladen sind.
Außerdem gibt es die jährliche Verbandsreise. Dabei handelt es sich um einen Tagesausflug, an dem jeder teilnehmen kann, der möchte. Auf dem Programm steht eine Mischung aus Kultur und Entspannung, und das Ziel ist es, einen angenehmen Tag unter Freunden zu verbringen.
Bild: Rathaus Leuven, Ratskeller mit der Sammlung der Jaartallen (UNESCO-Weltkulturerbe)
Seit 1991 organisiert der „Koninklijk Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ jedes Jahr einen Musikabend oder eine kulturelle Veranstaltung. Diese Initiative wurde von zwei Mitgliedern der „Mannen van 1934“ ins Leben gerufen. Seit einigen Jahren ist es üblich, anlässlich der Veranstaltung ein Ehrenkomitee zu bilden. Der Erlös fließt jedes Mal vollständig in die Organisation des „Sonderkindertags Arthur Dewit“, einer weiteren Aktivität des Verbandes. Der Mann, nach dem dieser Tag benannt ist, war Vorsitzender der „Männer von 1918“. Er wollte benachteiligten Kindern einen unvergesslichen Nachmittag auf dem Jahrmarkt bescheren. Bis heute wird diese Initiative jährlich wiederholt. Dank der Mitarbeit und Unterstützung der Schausteller können so jedes Jahr 450 Kinder kostenlose Fahrten und Krapfen genießen. Die Kinder werden dabei von den „Mannen van het Jaar“ und deren Partner oder Familie begleitet und betreut. Der „Speciale Kinderdag“ ist für die Jahrgänge die ideale Gelegenheit, ihr soziales Engagement zu zeigen und deutlich zu machen, dass das Leben in den Jahrgängen mehr ist als nur ein Lebenszyklusritual.
Seit 1997 nehmen die „Jaartallen“ jedes Jahr am Weihnachtsmarkt in Leuven teil. Der Verband und die Stadt betreiben dort jeweils gemeinsam einen Stand. Anfangs war dies ein Bierstand, doch im Laufe der Jahre hat er sich zu einem Stand entwickelt, an dem neben selbstgemachten Lichthaltern auch andere Spezialitäten aus Leuven verkauft werden.
Die beiden größten und wichtigsten Veranstaltungen, die der Verein „Koninklijk Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ organisiert, sind jedoch der Abrahamstag und das Festival der Jaartallen. Auf diese wird im Folgenden in einem eigenen Abschnitt eingegangen.
Abrahamstag
Um die 50-jährigen Einwohner von Leuven offiziell zu feiern, organisiert der „Verbond der Jaartallen“ traditionell am Samstag vor dem ersten Sonntag im September den Abrahamstag. Die Idee dazu stammt von Jacky Gilliams, Mitglied des Freundeskreises „Männer von 1930“. Inspiration fand er im niederländischen Oosterhout, wo jedes Jahr das erste Oktoberwochenende ganz im Zeichen des 50. Geburtstags der männlichen Einwohner steht. In Anlehnung an Oosterhout wurde auch in Leuven eine Abraham-Statue aufgestellt, die zunächst in der Broekstraat ihren Platz fand und nun im Stadtpark steht.
Am Abrahamstag findet am Abraham-Denkmal eine Feier statt. Außerdem wird Fonske mit dem Kostüm des jeweiligen Jubiläumsjahres bekleidet. Darüber hinaus sorgt der Verband für einen Empfang, und es wird eine Pause an der Statue von Kamerood Sesteg eingelegt, um das kommende Jubiläumsjahr zu feiern. Danach wird auch die Leuvener Kirmes offiziell eröffnet, seit jeher das wichtigste Volksfest in Leuven und Umgebung.
Seit Gilliams die ersten Kontakte zu Oosterhout knüpfte, ist es eine jährliche Tradition, dass bei der niederländischen Feier stets eine Delegation aus Leuven anwesend ist und dass Vertreter aus Oosterhout ihrerseits am Jaartallendag in Leuven teilnehmen.
Jahreszahltag
Der absolute Höhepunkt ist zweifellos der Jahreszahl-Tag, der jährliche Festtag am zweiten Sonntag im September. Bis zu den „Mannen van 1905“ konzentrierte sich die Arbeit der Freundeskreise vor allem auf die Feier des 50. Geburtstags. Dies geschah im geschlossenen Kreis und mit dem Geld, das in den vorangegangenen Jahren dafür angespart worden war. Die „Mannen van 1906“ waren der Meinung, dass es etwas mehr sein dürfe, und beschlossen, die Feier etwas größer anzugehen. So fand 1956 das erste „Festival der Jaartallen“ statt, das daher auch als „Jaartallendag“ oder „Festivaldag“ bekannt ist.
Für die Organisation arbeiten der „Verbond der Jaartallen“ und das feiernde Jaartal zusammen. Fester Bestandteil ist der Jahrgangsumzug, der dann durch die Straßen von Leuven zieht. Dabei werden die Musikkapellen und Majoretten aus der Region einbezogen. In den 1970er Jahren erlebte der Umzug seinen Höhepunkt und umfasste unter anderem Festwagen, Oldtimer und historische Darstellungen. Heutzutage ist das Aufgebot etwas weniger groß, was die Mitglieder jedoch nicht weniger stolz macht.
In den letzten Jahren gehen dem Umzug eine Jubiläumsfeier und eine akademische Sitzung voraus. Danach folgt in der Regel eine Jubiläumsreise.
Bild: Jahresumzug in Leuven, 2010
Die Joorzangers
Traditionell wurden bei der jährlichen Jubiläumsfeier in der St.-Petrus-Kirche stets drei Lieder gesungen. Das verlief nicht immer reibungslos, denn da keine Proben stattfanden, kannten nur wenige Mitglieder die Liedtexte. Um dem abzuhelfen, beschlossen einige begeisterte Sänger, einen Chor zu gründen. Es gelang ihnen, eine Gruppe zusammenzustellen, die seit 2004 unter dem Namen „De Joorzangers“ auftritt. „Joor“ ist das Leuvener Dialektwort für „Jahr“. Seit seiner Gründung bereichert der Chor die wichtigen Zusammenkünfte der „Jaartallen“ mit einem passenden Lied. Das kann sowohl in Hochdeutsch als auch im Dialekt sein. Die „Joorzangers“ haben es sich in den vergangenen Jahren auch zur Gewohnheit gemacht, am Tag des Kulturerbes aufzutreten und an der „Missa Lovaniensis“ mitzuwirken, einer Messe im Leuvener Dialekt.
Anerkennung
Seit 2009 ist das „Jaartallenleven“ in Leuven in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Flanderns aufgenommen worden. Der Verein „Koninklijk Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ und die Stadtverwaltung von Leuven hatten dafür gemeinsam einen Antrag eingereicht. Parallel zur Anerkennung wird daran gearbeitet, dieses einzigartige Lebenszyklusritual bekannter zu machen, zu schützen und ihm neues Leben einzuhauchen, ohne dabei seine Eigenheit zu gefährden. Am 26. November 2011 wurde das „Jaartallenleven“ von Leuven auch in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.
Im Jahr 2010 erhielt der Verein „Verbond der Jaartallen Leuven vzw“ die „Verdienstmedaille“ der Stadt Leuven. Im Jahr 2011 wurde dem Verein zudem das Prädikat „Königlich“ verliehen.
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