Technik und Hilfsmittel für Orientierung, Kommunikation und Gepäcktransport

Auf meiner rund 900 Kilometer langen Wanderung von Bayern nach Brüssel war ich vollständig auf technische Hilfsmittel und meinen Blindenstock angewiesen. Sie ermöglichten mir Orientierung, Kommunikation und den Transport meines Gepäcks – und damit überhaupt erst die Durchführung dieser Reise.
Die unverzichtbaren Hilfsmittel für meine Wanderung waren:
• das Navigationsgerät
• der Langstock zur Orientierung
• der Gepäcktrolli
• das Mobiltelefon zur Kommunikation
• und der Laptop zur Planung und Dokumentation

Trekker Breeze - Ein Navi für blinde Fußgänger

Als ich mich zu meiner Wanderung von Bayern nach Brüssel aufmachte, stand ich vor einer grundlegenden Frage: Wie kann ein blinder Mensch allein über eine Strecke von rund 900 Kilometern sicher navigieren? Die Antwort war der Trekker Breeze – ein speziell für blinde Fußgänger entwickeltes Navigationsgerät, das mich auf meiner gesamten Reise begleitete. Er wurde zu meinem wichtigsten technischen Hilfsmittel und gab mir die Sicherheit, mich auch in völlig unbekannten Städten und Landschaften selbstständig orientieren zu können.
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Orientierung mit dem Taststock

Ein weiteres unverzichtbares Hilfsmittel ist der sogenannte Langstock. Er wird auf dem Boden gleitend hin- und hergeschwenkt und gibt so Auskunft über die Bodenbeschaffenheit, hilft am Rand des Weges zu bleiben und warnt (meistens) vor Hindernissen.
Für lange Wegstrecken sind drei Eigenschaften wichtig: Er muss leicht sein, einen dämpfenden Griff haben (z.B. aus Silikon) und gut über den Boden gleiten.
Neben dieser taktilen Orientierung kommt noch die akustische hinzu: Das Geräusch des über den Boden gleitenden Stocks oder beim Auftippen der Spitze wird von Wänden oder Hindernissen reflektiert. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gespür für die Veränderung der Geräuschkulisse. So bin ich manches Mal abrupt stehengeblieben, weil ich „gehört“ habe, dass etwas direkt vor mir ist – in Kopfhöhe!
Da ich als Rechtshänder den Langstock mit der rechten Hand führe und den Trolli mit der linken hinter mir hergezogen habe, bin ich immer am rechten Wegrand entlanggegangen – auch bei Straßen ohne Fuß- oder Radweg. Ja ja, ich weiß: Man soll immer links gehen, um entgegenkommende Autos zu sehen und rechtzeitig zur Seite zu treten… Aber: Erstens war ich mit meinem „Outfit“ sowieso nicht zu übersehen und zweitens hätten oft entgegenkommende Fahrzeuge wegen Platzmangel anhalten und den Gegenverkehr abwarten müssen. So konnten sie immerhin im Schritttempo hinter mir herfahren, bis sie überholen konnten. Das gab den Fahrern außerdem die Gelegenheit, die Aufschrift auf meinem Trolli zu lesen: „Ich gehe blind vom Chiemsee nach Brüssel“.
Am entspanntesten konnte ich auf reinen Fahrradwegen mit glatter Oberfläche (Teer oder Beton) gehen. Auch wenig befahrene Landstraßen stellten kein Problem dar. Festgetretene Feld- und Waldwege sind auch kein Problem.
Gehwege in Städten sind jedoch meistens schwierig. Da ist zunächst die Oberfläche: Verbundpflaster hat auch bei gleichmäßiger Verlegung viele Ritzen, in denen der Blindenstock hängen bleiben kann. Beton-Gehwegplatten sind meistens sehr unregelmäßig verlegt und bieten dem Stock viel Widerstand. Am schwierigsten ist natürlich Kopfsteinpflaster – so schön es auch aussehen mag.
Hinzu kommen noch in den Weg hineinragende Hindernisse wie Schilder, Laternen- und Ampelmasten, Zeitungs- und Verkaufsständer, Blumenkübel (besonders übel sind solche aus Stein mit scharfen Kanten), Bäume, Stein- oder Eisenpfosten an Einfahrten, geparkte Autos, abgestellte Fahrräder sowie Mülltonnen. Auch Wartehäuschen an Bushaltestellen können zu schmerzhaften Erfahrungen führen.
Bei der Gehweggestaltung sollte bedacht werden, dass man sich als Blinder immer am Rand entlangtastet. Dabei kann der Blindenstock geradeeben an einem Hindernis vorbeigeglitten sein und der nächste Schritt führt zum Aufprall.
In belebten Fußgängerzonen ist die Akustische Orientierung besonders schwierig und hier gibt es natürlich von den beschriebenen Hindernissen besonders viele.

Der Gepäcktrolli

Da die Menge des benötigten Gepäcks für einen Rucksack zu viel war, hatte ich mich für einen Gepäcktrolli entschieden. Ich hatte glücklicherweise einen geräumigen mit leichtgängigen Rädern. Dennoch war es an manchen Tagen ziemlich anstrengend: Rechts tasten, links schleppen – besonders an Steigungen.
Als ich schon dreiviertel der Strecke hinter mir hatte, hatte mir ein Bekannter aus dem Chiemgau einen von ihm konstruierten Rickscha-Trolli geschickt. Den konnte ich mir mit einem Hüftgurt umschnallen. Da er noch größere, luftbereifte Räder hatte, lief er insbesondere auf unebenem Untergrund deutlich leichter. Allerdings musste ich ihn trotz des Hüftgurts mit der linken Hand am langen Griff führen, weil er sonst zu sehr geschlenkert hätte. Doch insgesamt ging es sich nun deutlich entspannter.

Das Mobiltelefon

Bis dahin hatte ich kein Handy genutzt. Ich bin mit dem Festnetztelefon aufgewachsen und wir sind prima zurechtgekommen: Wir haben uns morgens in der Schule für den Nachmittag verabredet und das war in der Regel verbindlich! In der Handy-Generation heißt es immer: „Wir rufen uns zusammen!“ - und allzu oft bleibt es dabei und ein Treffen kommt nicht zustande.
Nun, für meine Wanderung brauchte ich natürlich eine Kommunikationsmöglichkeit, um von Gastgebern und anderen Unterstüztern erreichbar zu sein und mit Barbara in Kontakt zu bleiben. Also schaffte ich mir ein Nokia C5 an, das standardmäßig bereits über eine Sprachausgabe verfügte und damit speziell für blinde und sehbehinderte Nutzer geeignet war. Und das tut heute noch immer seinen Dienst, auch wenn ich es nur anschalte, wenn ich unterwegs bin. Ansonsten benutze ich es als komfortablen Wecker…

Der Laptop

Auch der war unerlässlich. Zu Beginn der Wanderung hatte ich erst einen kleinen Teil der Übernachtungsplätze sicher und auch die Details der einzelnen Etappen waren noch nicht für die gesamte Route „festgezurrt“. Und schließlich hatte ich ja einen Internet-Blog gestartet, in dem ich fast täglich von meinen Erlebnissen berichtete.
Auch der Computer spricht mit mir und liest mir vor, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Also z.B. Internetseiten, Emails oder den Text, den ich gerade schreibe.


Diese technischen Hilfsmittel haben mir nicht die Orientierung abgenommen – aber sie haben mir ermöglicht, meinen Weg selbstständig zu finden.