TrekkerBreeze - Ein Navi für blinde Fußgänger

Der Trekker Breeze - Navigationsgerät für Blinde

Als ich mich zu meiner Wanderung von Bayern nach Brüssel aufmachte, stand ich vor einer grundlegenden Frage: Wie kann ein blinder Mensch allein über eine Strecke von rund 900 Kilometern sicher navigieren? Die Antwort war der Trekker Breeze – ein speziell für blinde Fußgänger entwickeltes Navigationsgerät, das mich auf meiner gesamten Reise begleitete. Er wurde zu meinem wichtigsten technischen Hilfsmittel und gab mir die Sicherheit, mich auch in völlig unbekannten Städten und Landschaften selbstständig orientieren zu können.

Der Trekker Breeze wird über 9 gut voneinander unterscheidbaren Tasten bedient und hat kein Display, sondern nur einen eingebauten Lautsprecher und einen Kopfhörerausgang. An diesen habe ich den mitgelieferten kleinen Lautsprecher angeschlossen, der mit einem Clip am Schulterriemen des Tagesrucksacks oder am Kragen befestigt wird. Das Navi selbst trug ich am Gürtel.
Die wichtigsten Funktionen des Trekker Breeze sind:
• Navigation zu einer über die Tastatur erfassten Adresse
• Ansage der gelaufenen Strecke und der verbleibenden Entfernung bis zum Ziel
• Ansage der durchschnittlichen Geschwindigkeit und der reinen Gehzeit
• Aufzeichnung eines Weges mit der Möglichkeit der umgekehrten Navigation, also zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen
• Nutzung von Orientierungspunkten und Erfassung eigener Orientierungspunkte
Die Akkulaufzeit war mit 8 Stunden in der Regel ausreichend; sicherheitshalber hatte ich einen Ersatzakku dabei.

Allgemeine Erfahrungen

Meine Wanderung nach Brüssel hat gezeigt: Es ist bei entsprechender Vorsicht einem Blinden durchaus möglich, mit dem trekker Breeze und einem Blindenstock alleine zu wandern.
Die Navigation hat meistens sehr gut funktioniert. Bei gleichmäßiger Gehgeschwindigkeit ist die Positionierung metergenau, obwohl die GPS-Positionsbestimmung typischerweise nur eine Genauigkeit von etwa 5 bis 15 Metern hat. Durch die Kombination mit den Kartendaten und der Auswertung der Bewegungsrichtung konnte Trekker Breeze meine Position dennoch erstaunlich präzise bestimmen.“

Schwierigkeiten

In alten Städten mit vielen engen Gassen – wie z.B. Rothenburg - kann man sich nur langsam bewegen: Bis Trekker Breeze alle Straßen einer Kreuzung angesagt hat, ist man schon fast daran vorbeigegangen.
Schwierig sind auch immer wieder Haus- oder Grundstückseinfahrten, die nicht deutlich vom Gehweg abgesetzt sind. Hier bin ich regelmäßig „vom Weg abgekommen“.
Gleiches gilt auch auf Landstraßen, wenn bei einem abzweigenden Feld- oder Waldweg die Teerdecke der Straße ein Stückchen auf diesen hereinragt.
In manchen Dörfern sind die Abzweigungen kleinerer Straßen wie Grundstückeinfahrten gestaltet: Der Gehweg ist wie bei einer solchen einfach abgesenkt. So bin ich einige Male an einer solchen Abzweigung zwei-, dreimal vorbeigelaufen, bis ich das Problem erkannt habe. Einmal begann der abzweigende Weg sogar mit einer Treppe. Sollte es in den Kartendaten die Möglichkeit geben, Treppen zu kennzeichnen, sollte von dieser Kennzeichnung im Navigationssystem auch dringend Gebrauch gemacht werden.
Außerhalb von Ortschaften bin ich in der Regel an der rechten Straßenseite entlanggegangen, weil ich als Rechtshänder mit rechts besser mit dem Stock tasten kann. Vor Kreuzungen, an denen ich nach links abbiegen musste, habe ich dann auf die andere Seite gewechselt.

Weggabelungen und Dreierkreuzungen

Eine Weggabelung wird folgendermaßen angekündigt:
„Friedrichstraße kreuzt Schillerstraße vorne. Weiter geradeaus auf Friedrichstraße.“
Da „geradeaus“ bei einer spitzen Weggabelung für einen Blinden nicht wirklich erkennbar ist, bin ich manches Mal zunächst falsch gegangen.
Gehe ich z.B. am rechten Straßenrand, die Schillerstraße aber „fast geradeaus“ der rechte Abzweig der Gabelung ist, bemerke ich das erst, wenn ich schon 20 Meter weitergegangen bin und Breeze die Abweichung von der Route meldet.
Besonders schwierig ist dies in kleinen Dörfern, wo alle Straßen den Dorfnamen tragen:
„Bergdorf kreuzt Bergdorf vorne“
Besser wäre, wenn bei spitzen Abzweigungen (z.B. weniger als 50°): „Friedrichstraße kreuzt Schillerstraße halbrechts“ angesagt würde.
Wenn die Straße, auf der ich gerade ging nicht stark befahren war, wechselte ich in solchen Situationen auf die andere Straßenseite, bis ich die Abzweigung passiert hatte.
Bei stumpfen Abzweigungen (z.B. mehr als 130°) wäre eine Ansage wie „Friedrichstraße kreuzt Schillerstraße scharf rechts“ gut.

Große Kreuzungen mit 5 und mehr Straßen

Manchmal zweigen von 5er- oder 6er-Kreuzungen mehrere Straßen mit gleichem Namen ab. Wenn es dann lediglich heißt „links abbiegen in Müllerstraße“ weiß ich nicht, ob es die zweite oder dritte Abzweigung ist. Eine entsprechende Zusatzangabe wäre hier hilfreich.

Ansage der Straßenart

Insbesondere bei Feld- und Waldwegen wäre es sehr hilfreich, wenn die Straßenbeschaffenheit angekündigt würde. Bei manchen Routenplanern wird ausdrücklich auf „unbefestigte Straßen“ hingewiesen und auch Standard-Navigationsgeräte ermöglichen den Ausschluss von Feldwegen und unbefestigten Straßen. Die Informationen sind also offensichtlich vorhanden.
So stand ich einmal an einer Viererkreuzung und sollte weiter geradeaus gehen. Ich kam auf einem geteerten Wirtschaftsweg und ertastete zunächst nur einen Weg, der nach rechts führte. Nach einigen Metern wurde der Name angesagt, sodass ich feststellte, dass ich falsch gegangen war. Also ging ich in die entgegengesetzte Richtung und hielt mich immer rechts. Doch nun kam ich auf den anderen Weg, der nach links abzweigte. Dabei hatte ich noch Glück, dass die Feldwege hier benannt waren!
Erst als mir jemand zu Hilfe kam, erkannte ich das Problem: Mein Weg, der weiter unter dem gleichen Namen geradeaus führte, war ab hier nicht mehr befestigt und daher für mich nicht erkennbar…
So könnte dieses Problem gelöst werden: „Vierer-Kreuzung: Mühlenweg kreuzt Kronenweg zur Linken, Mühlenweg vorne und Tannenweg zur Rechten. Weiter geradeaus auf Mühlenweg (unbefestigter Weg)“.

Straßen aus der Route ausschließen

Eine ganz wichtige Erweiterung wäre die Möglichkeit, Straßen aus der Routenberechnung auszuschließen. Wenn ich bei der Routenplanung feststelle, dass mich Trekker Breeze auf eine Bundesstraße führt, möchte ich diese sperren und dann eine Alternativroute berechnen lassen können. Das wäre auch hilfreich, wenn ich schon unterwegs bin und an eine sehr stark befahrene Straße ohne Fuß- und Fahrradweg komme.

Ansage von Fahrrad- und Fußwegen

Das wäre eine besonders hilfreiche Zusatzinformation:
„Fahrradweg auf der linken Seite“.
Oder: „Fußweg beiderseits“
Besonders interessant wäre natürlich, reine (Rad-)Wanderwege in das Kartenmaterial aufzunehmen.

Brücken und Unterführungen

…werden als Kreuzungen angesagt. Hier sollte die vorhandene Ebenen-Kennzeichnung ausgewertet werden. Die Ansage könnte dann z.B. lauten:
„Mühlenweg überquert A81“ oder:
„Unterführung: Dorfstraße unterquert B3“
Auch Eisenbahn-Unterführungen oder –Überquerungen könnten so angekündigt werden, da dies die Orientierung erleichtert.

Benennung von Orientierungspunkten

Wenn ich eine größere Tour durch mehrere Orte plane und die einzelnen Adressen erfasse, werden diese nur mit Straße und Hausnummer angesagt. Hier wäre es wichtig, auch den Ortsnamen mit anzusagen – wenn ich z.B. jeweils zum Marktplatz oder in die Bahnhofstraße gehe.
Für aufgezeichnete Orientierungspunkte wäre es wünschenswert, für diese auch einen Namen über die Tastatur eingeben zu können. (Das spart auch Speicherplatz.)
Verschiedene wählbare Sortierungen wären ebenfalls wünschenswert – z.B. chronologisch nach Erfassung, alphabetisch, nach Entfernung.

Ansage der Änderung von Straßennamen

Wenn z.B. eine Kreisstraße durch einen Ort führt, wird der Straßenname geändert. Dies passiert auch in Städten öfters. Eine solche Namensänderung kündigt Trekker Breeze als „Zweierkreuzung“ an, was anfänglich verwirrend ist. Hier ist eine Änderung der Ansage wünschenswert – z.B.: „Namensänderung: K12 wird zu Hauptstraße“.
Außerdem wäre die Ansage beider Bezeichnungen hilfreich, wie z.B.:
„B31 / Hauptstraße“

Ortsteilnamen (Wo bin ich? – Routen-Info – Routen-Vorschau)

Bei der Funktion „Wo bin ich?“ wäre die Ansage der Stadt und des Stadtteils hilfreich.
Bei der Routeninfo wäre ebenfalls die Angabe des Stadtteils zusätzlich zur Stadt hilfreich – z.B. Pittenhart Oberbrunn.
Besonders wichtig wird diese Ansage jedoch bei der Routenvorschau, sodass man überprüfen kann, durch welche Orte und Ortsteile Trekker Breeze führen will.

Ansage von Orientierungspunkten in aufgezeichneten Routen

Während einer Routenaufzeichnung gesetzte Orientierungspunkte werden der Route nicht hinzugefügt. Sie werden zwar beim Abgehen der Route angesagt, erscheinen aber nicht in der Routen-Vorschau. Das liegt wohl daran, dass eine Route nur Richtungsänderungen enthält. Es ist aber wünschenswert, dass Orientierungspunkte in die Route aufgenommen werden, wenn sie während der Aufzeichnung gesetzt wurden.

Startpunkt und Zwischenziele

Für die Planung von Touren wäre die Möglichkeit, einen Startpunkt anzugeben, sehr hilfreich. Auch die Erfassung von Zwischenzielen wäre eine wünschenswerte Erweiterung. Und wenn man dann noch eine solche Route bei den aufgezeichneten Routen abspeichern könnte…

Import von GPS-Tracks

Ebenfalls für die Vorbereitung von Touren wäre es sehr wünschenswert, mit Routenplanern erstellte Routen in den Breeze importieren zu können. Dies ist besonders für Routen hilfreich, die mit Fahrrad- oder Wander-Routenplanern erstellt wurden und Strecken enthalten, die im Kartenmaterial des Breeze nicht enthalten sind.

Koordinaten

Im Info-Menü sollte die Ansage der aktuellen Position als geographische Koordinaten aufgenommen werden. Auch bei „Wo bin ich?“ wäre dies (optional wählbar) sinnvoll.
Dies ist insbesondere in Notfall-Situationen wichtig, damit man etwaigen Rettungskräften oder Helfern eine eindeutige Positionsangabe machen kann.
Auch die direkte Eingabe von Koordinaten als Ziel, alternativ zur Eingabe einer Adresse, wäre sinnvoll.

Menüs

Für jede Einstellungsänderung muss das Menü erneut aufgerufen und der gewünschte Menüpunkt angesteuert werden. Es ist z.B. nicht möglich, im Menü Ausführlichkeit erst den Ausführlichkeitsgrad von Routen einzustellen, dann den von Kreuzungen, etc., ohne das Menü zu verlassen. Dies würde ermöglicht, wenn eine Taste mit der Funktion „Zurück zur übergeordneten Ebene“ belegt würde. Dieses Manko erhält sich seit dem allerersten Trekker-Modell standhaft aufrecht.

Datenfehler bei Koblenz

Sämtliche Rheinbrücken bei Koblenz sind nicht im Kartenmaterial enthalten. Daher wird, wenn man von der Ostseite kommt, die Route nach Boppart-Filsen zur Fähre berechnet. Vom Beginn der Eisenbahn- und Fußgängerbrücke bis zum Bahnhof sind es dann 47 km; hat man die Brücke überquert, sind es nur noch 3 km!

Fazit

Der TrekkerBreeze war ein tolles Hilfsmittel für meine Wanderung! Leider wurde es nicht mehr weiterentwickelt und ist heute nicht mehr erhältlich. Sein direkter Nachfolger ist der Victor Reader StellarTrek, der ein ähnliches Konzept mit moderner Technik fortführt.“
Natürlich sind die Navigationsfunktionen in den heutigen Smartphones teilweise deutlich besser, aber die Bedienung über den Berührungsbildschirm ist für Blinde schwierig.

Alternativen

Derzeit gibt es zwei gute Alternativen:

BlindShell Classic (Smartphone für Blinde)

Das für Blinde und Sehbehinderte konzipierte Smartphone „BlindShell Classic 3“, das vollständig über eine Tastatur und Sprache bedient werden kann und für Anwendungen von Drittanbietern auch einen kleinen Berührungsbildschirm hat. Zusätzlich zur Navigation können hier sogar Straßenschilder, Hausnummern und Klingelschilder usw. vorgelesen werden. Und es gibt die Möglichkeit, über die sogenannte Tandem-App einem Helfer das Kamerabild zu übertragen, sodass dieser bei der Orientierung helfen kann. Der Preis ist mit 650 € sogar niedriger, als der des TrekkerBreeze damals.

Navigations-Apps für Smartphones

Moderne Smartphones bieten heute mit spezialisierten Apps für Blinde ebenfalls sehr leistungsfähige Navigationsmöglichkeiten. Apps wie Lazarillo oder Seeing Assistant Move können die aktuelle Straße ansagen, Kreuzungen ankündigen und zu einem Ziel führen. Diese Apps kommen dem Funktionsumfang des Trekker Breeze teilweise sehr nahe oder übertreffen ihn sogar.
Allerdings erfordert ihre Nutzung entweder einen Berührungsbildschirm oder ein speziell angepasstes Smartphone wie das BlindShell Classic.

Victor Reader StellarTrek (Daisyplayer und Navigationsgerät)

Der Victor Reader StellarTrek ist der direkte Nachfolger des Trekker Breeze. Er ist ebenfalls ein speziell für blinde Nutzer entwickeltes Gerät mit gut fühlbaren Tasten und vollständiger Sprachbedienung. Neben der Navigation verfügt er zusätzlich über einen integrierten DAISY-Player für Hörbücher und bietet erweiterte Orientierungsfunktionen, etwa eine genauere Positionsbestimmung und zusätzliche Umgebungsinformationen. Allerdings konnte ich den StellarTrek selbst bisher nicht praktisch erproben.
Im Unterschied zum BlindShell ist der StellarTrek jedoch kein Telefon. Dadurch fehlen Kommunikationsfunktionen und die Möglichkeit, bei Bedarf direkt Hilfe über einen Anruf oder eine Fernunterstützung zu erhalten. Zudem ist der Preis mit rund 1.600 € deutlich höher.
„Während der StellarTrek das ursprüngliche Konzept eines eigenständigen Navigationsgeräts fortführt, bieten speziell angepasste Smartphones wie das BlindShell zusätzliche Kommunikations- und Assistenzfunktionen.“