
Datum: 2. Juni 2012
Strecke: 34 km, davon 10 gelaufen
über Wachbach, Lillstadt und Schillingstadt
Im Buch: Kapitel 7, Seite 46
Reinhard, mein Gastgeber in Niederstetten, brachte mich nach dem Frühstück zum Ortseingang von Wachbach, damit ich wieder auf meine ursprüngliche Route kam. Wachbach ist heute ein Ortsteil von Bad Mergentheim und liegt im Tal des Wachbach, eines kleinen Zuflusses der Tauber.
Im Mittelalter war Wachbach eine wichtige Station auf dem Handelsweg zwischen Frankfurt und Augsburg.
Hinter Wachbach ging’s dann gleich mal wieder steil bergauf: Die Lillstädter Steige.
Es ist in Lillstadt eine junge Tradition, dass zum Ende des Herbstes beim Almabtrieb die Tiere von ihrer Weide in den Stall geführt werden. Gut, eine Alm muss man schon suchen und die Entfernungen sind nicht so weit, aber Spaß macht die Sache dennoch!
Das kleine Dorf hat während seiner Geschichte schon viel erlebt, es gibt Kanalisation, Strom, Wasser, schnelles Internet sowie alle anderen technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Dennoch ist die Zeit in Lillstadt angenehm stehen geblieben. Die allgemeine Eile und Zeitnot der Neuzeit hat sich hier glücklicherweise noch nicht eingenistet. Nach vielen Jahren der Ruhe hat sich die Gemeinschaft im Heimatverein Lillstadt zusammengefunden um regelmäßig zu feiern.
Hinter Lillstadt führte mich mein Navi leider wieder auf eine stark befahrene Kreisstraße – natürlich ohne Fahrradweg. Und nach ca. 1,5 km kam mal wieder die Polizei.
Da hier die meisten Straßen als Zubringer zur A81 fungierten, boten sie mir an, mich bis Schillingstadt zu fahren, meinem Etappenziel. Diese Fahrt im grün-weißen Taxi nahm ich doch gerne an!
In Schillingstadt gab es dann auch wieder keine Übernachtungsmöglichkeiten, und so ging ich auf Empfehlung einer Anwohnerin weiter zum nächsten Ort auf meiner Route.
Im Gasthof Engel, dessen Wirt auch noch Heilig hieß, kam ich dann unter.
Nachdem ich mich im Zimmer eingerichtet hatte, traf ich mich vorm Haus mit der jungen Journalistin der Fränkischen Nachrichten und erzählte ihr von meiner Wanderung und beantwortete ihre Fragen. Ihren Artikel findest Du auf der Presseseite.
Unterhalb des Engels ist das Kirchbrünnerl, von den Einheimischen die Röhrenquelle genannt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war dies die einzige Wasserquelle im Ort. Nach dem 2. Weltkrieg gab es mal einen Fall von Typhus, sodass ein Schild „Kein Trinkwasser“ angebracht wurde. Und im Ort wird noch die Geschichte eines jungen Bauern erzählt: Er kam mit dem Pferdewagen vom Feld, war durchgeschwitzt und durstig. Obwohl er es nicht mehr weit bis zu seinem Hof hatte, hielt er an der Röhrenquelle an, erfrischte sich und löschte seinen Durst. Die Pferde tranken nicht… Dem Bauern wurde fürchtbar schlecht… Da waren die Pferde wohl schlauer als der Bauer!