Etappe 29: Düren → Aachen

Datum: Freitag, 22. Juni 2012
Route: Düren → Langerwehe → Wilhelmshöhe → Eschweiler → Stolberg → Aachen
Strecke: 36 km, davon 32 gelaufen
Im Buch: Kapitel 10, Seite 69


Nach dem Tag in Düren machte ich mich wieder auf den Weg Richtung Aachen. Die Landschaft veränderte sich spürbar: weniger ländlich geprägt, dafür dichter, strukturierter, mehr Industrie.
In Eschweiler half mir ein junger Mann über eine schwierige Kreuzung und begleitete mich noch ein Stück. Er schimpfte über Stolberg, das er als hässlich bezeichnete. Und er fragte mich, ob ich nicht Angst hätte, überfallen zu werden. Auf solch eine Idee bin ich noch gar nicht gekommen.
 

An der Route

Vom Dürener Raum ins Aachener Revier

Der Weg von Düren nach Aachen führt durch einen Raum, der lange Zeit stark von Industrie und Rohstoffgewinnung geprägt war.
Langerwehe liegt bereits im Einflussbereich des Rheinischen Braunkohlereviers. Weite Flächen und technische Eingriffe haben die Landschaft hier sichtbar verändert.
Eschweiler gehört zu den ältesten Industriestandorten der Region. Bergbau und Metallverarbeitung bestimmten über lange Zeit die Entwicklung der Stadt. Auch heute sind diese Spuren noch erkennbar, selbst wenn sich die wirtschaftlichen Strukturen gewandelt haben.
Neben seiner industriellen Prägung zeigt Eschweiler auch eine lebendige kulturelle Seite: den „Eischwiele Fastelovend“. Alljährlich lassen hier 22 Karnevalsgesellschaften die Puppen tanzen und der Rosenmontagszug ist der drittgrößte in der närrischen Republik.
In meiner Kindheit und Jugend war ich ja als Rheinländer auch sunne Jeck. Aber dann hielt ich es eher mit BAP und Lotti Krekel: „Nit für Kooche, Lück, bliev ich Karneval he.“

 
Künstlerische Darstellung eines Killewittchens
Zur regionalen Überlieferung gehören zudem Figuren wie die Juffern und die Killewittchen.
Juffern gelten als weibliche Erscheinungen, die an bestimmte Orte gebunden sind und zwischen den Welten stehen – oft verbunden mit dem Unvollendeten oder Vergangenen.
Killewittchen hingegen werden als kleine, koboldartige Wesen beschrieben, verspielt und manchmal neckisch, die das Alltägliche mit einem Hauch des Unheimlichen verbinden.
 

Kupferstadt Stolberg

Burg Stolberg über der Altstadt mit verwinkelten Dächern und Türmen
Die historische Altstadt Stolbergs beeindruckt mit ihren verwinkelten Straßen und Gassen, ihren Plätzen und Baudenkmälern links und rechts der Vicht. Die enge Tallage und die gewachsene Struktur verleihen dem Ort einen besonderen Charakter – aber auch eine gewisse Unübersichtlichkeit.
So verbrachte ich ungefähr eine halbe Stunde an einer Kreuzung, weil sogar das Navi offensichtlich immer wieder die Orientierung verlor und mich mehrmals zum Umkehren aufforderte. Das passierte in Stolberg nicht nur einmal – vielleicht hatte sich ja ein Killewittchen hierher verirrt…
 
Nach weiteren zehn Kilometern kollidierte ich mit einem Wartehäuschen an einer Bushaltestelle. Diesmal nahm ich den Hinweis ernst und fuhr die letzten Kilometer vom Bahnhof Rote Erde mit der S-Bahn zu meinem Ziel.